FAQ

DU HAST FRAGEN?

Wir sammeln diese und tragen sie hier für dich zusammen.

 
 
 

1. Warum prüfen wir nicht den Puls?

Da ein sehr schwacher oder fehlender Puls beim Kreislaufstillstand sehr wahrscheinlich auftritt und dieser schwer zu tasten ist, ist er ein mit hoher Unsicherheit verbundenes Kriterium zur Überprüfung eines bestehenden Kreislaufes. Das haben mehrere simulierte Studien zeigen können, sowohl bei Laien, als auch teilweise bei Fachkräften. Selbst wenn ein Puls oder dessen Fehlen korrekt bestimmt wird, dauert dies oft, zumindest bei einem Teil der Testteilnehmer oder – übertragen auf eine reale Situation – Reanimationszeugen deutlich länger als 20 Sekunden im Mittel.

 

2. Wann mache ich eine Wiederbelebung, wann die stabile Seitenlage?

Beim Auffinden einer bewusstlosen Person ist stets zuerst die Reaktion zu prüfen.

Dabei kann die Person

  1. Laut angesprochen werden,

  2. Ihr ein physischer Reiz versetzt werden (kräftiges Schütteln an den Schultern).

Gründe für Bewusstlosigkeit können vielfältig sein: kurzfristige Minderdurchblutung des Gehirns kann zu kurzen Zusammenbrüchen führen (Synkope), schwere Durchblutungsstörungen des Gehirn, Schädel-Hirn-Traumata nach Unfällen, Unterzuckerung oder auch Vergiftungen (Alkohol und Drogen) können zu tiefer Bewusstlosigkeit führen, wobei die Personen nur sehr schwer erweckbar sind.

In diesen Fällen muss der Ersthelfer stets zuerst die Atmung überprüfen! Es ist beispielsweise nichtsinnvoll, nun direkt die häufig erinnerte ‚Stabile Seitenlage‘ anzuwenden.

Denn ein weiterer Grund für tiefe Bewusstlosigkeit geht immer mit einem lebensbedrohlichem Atem- und Kreislaufstillstand einher: Der Herzstillstand (sog. ‚plötzlicher Herztod‘).

Um diesen auszuschließen oder zu verifizieren, machen Sie folgendes:

  1. Legen Sie die Person auf den Rücken, knien Sie sich seitlich daneben.

  2. Legen Sie eine Hand auf die Stirn, fasen Sie mitv den Fingern der anderen Hand unter das Kinn. Ziehen Sie das Kinn nach oben und hinten und drücken Sie zugleich die Stirn (und damit den Kopf) nach unten.

  3. Öffnen Sie den Mund.

  4. Gehen Sie dicht (< 50 cm) an den Kopf der/des Bewusstlosen und schauen Sie, ob sie/er regelmäßig und kräftig atmet (vgl. Frage 3: Schnappatmung), indem Sie:

    1.  sehen: ob sich der Brustkorb deutlich hebt und senkt,

    2. fühlen: ob die Atemzüge an Ihrer Wange zu spüren sind,

    3. hören: wie die Peron Luft ein- und ausatmet.

Alarmieren Sie in jedem Fall den Notruf 112 oder beauftragen Sie jemanden damit.

Atmet die Person: Überwachen Sie die Atmung.
Dies ist das wichtigste. Achten Sie darauf, ob die Atmung gegebenengalls aussetzt. Es gibt Indizien dafür, dass das in Rückenlage bei überstrecktem Kopf besser und schneller bemerkt wird.

Vorteil der stabilen Seitenlage ist vor allem, dass sie die Atemwege der Person sichern kann. Bei Bewusstlosigkeit setzt die Muskelspannung aus, auch die der Zunge, so wie alle Schutzreflexe des Organismus, um zu vermeiden das Magensaft aus dem Magen in die Speiseröhre austritt und weiter in die Lunge gelangt und dort zu Blockaden der Atemwege oder Verätzungen des empfindlichen Lungengewebes führen kann.

Atmet die Person nicht oder nicht normal: Beginnen Sie unverzüglich, auch bei Zweifeln, eine Wiederbelebung mit dem Schwerpunkt auf eine hochwertige Herzdruckmassage.

 

3. Was ist „nicht normale Atmung“?

Schnappatmung oder agonale Atmung ist bei einem Herz-Kreislaufstillstand häufig. Sie tritt häufiger (bis zu 40% der Fälle) in der ersten Minuten (<6 Min.) nach dem Kreislaufstillstand auf. Die Schnappatmung ist ein Hirnstammreflex, der durch die Mangelversorgung der Nervenzellen im Gehirn mit Sauerstoff (Hypoxie) entsteht. Durch die Atemhilfsmuskulatur entstehen so schnappende Atemzüge, wobei die Ausatmung häufig (unkenntlich) über die Nase erfolgt. Diese Art der Atmung ist ein sog. pathologisches Atemmuster und sorgt nicht für eine ausreichende Ventilation und damit Sauerstoffversorgung, was allerdings natürlich ohnehin nicht möglich ist, da die Pumpfunktion des Herzens ausgesetzt hat und eine Zirkulation des Blutes nicht stattfindet.

Schnappatmung ist gekennzeichnet durch:

  • vereinzelte Atemzüge (weniger als 10/Minute),

  • geräuschvolles Atmen (dieses wurde verschiedenen umschrieben: schnappen, japsen, gurgeln, grunzen, stöhnen, schnarchendes Einatmen, u.a.),

  • einen weit geöffneten Mund

  • lange Pausen

  • und eine sog. zyanotische blau-graue Verfärbung von vor allem den Fingern und dem Gesicht (bes. Lippen)

Es kann vorkommen, dass der der Betroffene krampfende, unkontrollierte Bewegungen (ähnlich eines Krampfanfalls) zeigt. Dies darf nicht verwechselt werden. Achten Sie auch hier auf die Atmung, die bei einem Krampfanfall maximal partiell aussetzt, nach Abklingen jedoch wieder vorhanden ist.

Bei vorliegender Schnappatmung und Verfärbung der Haut: Beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung!

 

4. Soll ich die Oberbekleidung/den BH ausziehen?

Häufig wird eine Herzdruckmassage bei freiem Oberkörper gezeigt, und meistens auch bei Männern. Handelt es sich jedoch um Frauen, wie eine Studie mit weiblichen Übungsphantomen zeigen konnte, neigen Männer dazu, zu zögern und Kleidung eher anzulassen. Was sollte man nun tun? Das vorweg – und das gilt für alle Geschlechter: Dies ist eine Einzelfallentscheidung!

Grundregel: Durch das Entkleiden soll der Beginn der Herzdruckmassage nicht (unnötig) verzögert werden.

Auch mit bekleidetem Oberkörper – so hat sich gezeigt – lassen sich notwendige Qualitätsparameter erzielen. Dies hat jedoch Bedingungen:

  • Druckpunkt: Wer den Druckpunkt bei Kleidung, welche die Konturen verdeckt, nicht sicher finden kann, sollte die Kleidung ausziehen!

  • Dicke: Die Kleidung darf nicht sehr dick oder mehrlagig sein, heißt: Ein Shirt, Hemd oder Bluse sind in Ordnung, aber nicht dicker Pullover oder sogar Pullover und Jacke.

  • Beeinträchtigung: Die Kleidung darf bei der Druckmassage nicht hinderlich sein. Die Drucktiefe und der Druckpunkt sollten einzuhalten sein. Stören also beispielsweise der BH-Bügel oder an der Kleidung angebrachte Bestickung oder Dekoration sollte sie entfernt werden (bzw. Pullover und BH’s hochschieben oder zerschneiden). 

Spätestens bei der Nutzung eines automatischen externen Defibrillators (AED) ist es notwendig. 

Falsche Rücksicht sollte keine Rolle spielen. Es ist selbstverständlich nachvollziehbar das niemand den bewusstlosen Menschen in diese (öffentlich) peinliche Lage bringen will. 

Doch verständlicherweise sind diese sicherlich eher dankbar, am Leben zu sein, und dürften es nach einiger Zeit verarbeitet haben, mit entblößtem Oberkörper von Einzelnen gesehen worden zu sein. Möglicherweise ist dieses Empfinden auch besonders eines der Helfenden, da die Betroffenen die Situation niemals erinnern können, empfinden einige auch keine Scham?

 

5. Kann ich eine Person bei der Reanimation verletzen? Können dabei z.B. Rippen brechen?

Reanimationsbedingte Verletzungen sind durch das durchaus etwas grobe und körperliche Vorgehen, das notwendig ist, um die Herzfunktion mechanisch und von außen zu ersetzen (=Herzdruckmassage), nicht ungewöhnlich.

Häufiger mal kommen Rippenbrüche, ein Sternumbruch oder auch Hämatome durch Risse in kleineren und größeren Blutgefäßenvor.

Auch Patienten ohne Herzstillstand, die fälschlicherweise reanimiert werden, sterben in den wirklich allermeisten Fällen nicht an diesen sog. Sekundärverletzungen. Durch die kurze Dauer sind hier die üblichen Verletzungsmuster sehr viel geringer und ergaben sich in zwei Studien zu dieser Fragestellung nur zu 1 – 2%.

Das wichtige ist doch: Der Patient ist bereits tot. Besser, er überlebt mit Verletzungen, die verheilen, als dass er verstirbt! Die Befürchtung weiterer Verletzungen sollte also keine Rolle spielen und nicht vom Helfen abhalten!